ein Möwengebet Samstag, Feb 27 2010 

“Strände sind Wächter. Sie umarmen das Wasser.”

- Klavki

Mir fehlt am rechtem Fuß der linke Schuh
am Anderem fehlt mir der Bruder Rechts
Ich hör dem weitem Schrei der Möwen zu
oder nur dem Klang des Meergeschlechts

Es ist in ihren Knochen viel zu spät,
denn in dieser Nacht, die an ihr lehnt,
kreischt die letzte Möwe ein Gebet
das Irgendwas am Meeresgrund ersehnt

Mir fehlt im rechtem Herz das linke Blut
im Anderem fehlt mir der rechte Schlag
Die Möwe schwamm im salzbeklommnen Sud,
doch nichts berührt, was auf dem Grunde lag

Der Eschenstrang Freitag, Feb 19 2010 

Die Esche deiner Stirn zerbricht am Eis
Dein Strick aus müdem Tau schimmert an ihm
fällt mit dir auf den Grund und schimmert weiss
und alle Märchen werden langsam greis

Im Traum knirscht noch der Baum im Sturmgesang
in ihm spür ich den Wind noch in den Knien
Es knarzt der Eschetod, dem Wurm wird bang
und ich erwürge deines Strickes Strang

Blick in den Sonnenuntergang Freitag, Feb 19 2010 

Das autistische Auge Sonntag, Feb 14 2010 

Es zieht die Nacht an Silberschnüren auf
Das Wachs erschleicht den späten Kerzenlauf
und dämmt mir dieses Weltgedächtnis klar
Weh mir, dass ich mit meinen Augen sah

Die Hauswand ist ein greißendes Phantom
ersteigt am Wind, an ihm erklimmt der Strom
Ich bin der gnomschen Weise hier so nah
Weh mir, dass ich mit meinen Augen sah

Nebel nur, entrumpft auf jedem Kopf
Ein Schleier, Licht, ein halbverwester Kropf
Du siehst nicht mehr, dein unverstandnes Paar
Weh mir, dass ich mit deinen Augen sah

Und Blicke, die wie Dornen dich durchbohren
An Silberschnüren wächst das Wachs entboren
Verliebt im Wind, dein irres Augenpaar
Weh mir, dass ich mit unsren Augen sah

ohne titel Sonntag, Feb 14 2010 

meine namen sind gelogen
meine sprache ist geliehn
alles grade ist verbogen
und das gelogene verziehn

und ich knie auf meinen füßen
halte gott mit meinen ohrn
und ich gehe um zu grüßen
und ich lächel voller zorn

denn das wahre ist mir wichtig
wie ein taschentuch im schnee
und die sprache schimmert nichtig
weil ich mit der nase seh

was papier ist, das bespricht sich
wie magie wirkt jeder laut
und im sonnenlicht da bricht sich
noch mein schatten angestaubt

Der Engel von Izbica Sonntag, Feb 14 2010 

Der Engel von Izbica
schwebt vereist durch sein Café
und ersehnt sich den November
und sein Geist treibt durch den Schnee

Zwischen Mandelbaum und Bernstein
ist die Zeit ein bittrer Scherz
und er hört den Puls versagen
wie im Lichtspielhaus das Herz

Und der Engel von Izbica
treibt allein durch diese Welt
und er kann es nicht verstehen
was die Welt zusammen hält

und ein Blatt fällt ihm zur Nähe
und es singt ein ferner Chor
und das Blatt weiss seinen Namen
denn es laubt in Sobibor

und es laubt auch noch Izbica
und des Engels Immergrün
nadelt wahnsinnsmüde Waisen
Holstenglacis lässt sie blühn

und was blüht kann auch vergehen
und die Stille kennt kein Wort
und er nimmt die Stille leise
träumt Izbica weit hinfort

Wie die Sonnblumen im Wind Sonntag, Feb 7 2010 

Wir ziehen zweisam unsre Reigen
und wir spürn den Sommerwind
sehn die Sonnenblumen neigen
als wenn sie sich einig sind

und ich frag, was du wohl sahst
von dem Moment an dem wir lieben
bis zur Zeit in der du fragst
wo wir angekommen sind

und wir nicken dann verschwiegen
wie die Sonnblumen im Wind

Wir zogen einsam unsre Reigen
und wir spürten Sommerwind
sahn die Sonnenblumen neigen
als wenn sie sich einig sind

das abermalsmal Samstag, Feb 6 2010 

als wir die liebe totgebaren
sprachen wir psalme
töpften wir lieder aus tönen
sangen wir sonden zum magen der herzen
die hebten das tote zum träumen

in abermals neigen besprichst du
die abermalsnacht, es leuchtet
das abermalsmal auf deinem gestirn

Tags keine Nutten Samstag, Jan 30 2010 

Im falschen Licht flaniert am Boulevard
das Nuttenvolk in amtsgebornen Trachten
im Straßendirnentakt, wie grundbizarr
ins Spotlightstraßenlicht versiffter Frachten

Frühmorgens wischt die Sonne sie hinfort
Die Nutten, Freier, schmutzbefallnen Luden
Sie tragen nun Chanel, und dieser Ort
ist Heimat der Touristenbummelbuden

Ihr Blick gleitet autistisch nun vorbei
an spermafeuchten Augen letzter Nächte
und sehn sie nicht. Im Tageseinerlei
blüht Bürgerlichkeitskraut über das Schlechte

Das Igellied Samstag, Jan 30 2010 

Von Klatsch bis zum Ufer des siffigen Ankh
erzählen sich Menschen den munteren Schwank
Was muntrer die Tiere der Scheibe getan
Der Igel ist in jedem Fall besser dran

Der Storch hat der Natter die Selbe gewürgt
Die Fliege dem Fröschrich Orgasmen getürkt
Die Fische versauen den Pelikan
Der Igel ist in jedem Fall besser dran

Der Bauer verführte im Sommer das Schaf
weshalb ihn des Bocks Huf am Hodensack traf
Drum fässt er jetzt nur noch Geflügel an
Der Igel ist in jedem Fall besser dran

Die Schnecken vollziehen sehr langsam den Akt
Derweil hat die Schnake schon zwölfmal geschnakt
Das Nilpferd verlässt schon beim Anlauf die Bahn
Der Igel ist in jedem Fall besser dran

Im Spitzhorngebirge da liebte sogar
ein Troll eine Zwergin und verfing sich im Haar
des Bartes der Holden und und haderte dann:
Der Igel ist in jedem Fall besser dran

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