Kaleidoskop

Er ist ein böser Mensch, das hat man ihm verraten,
und richtig wärs, wenn Böses ihm geschieht;
so spricht der Mensch, der, reich an bösen Taten,
vor welken Schmerzen keine Weiten sieht.

Er ist ein guter Mensch, das hört man ihn oft klagen,
und richtig wärs, wenn Gutes ihm geschieht;
so spricht der Mensch, der, reich an bösen Taten,
vor weiten Schmerzen sich nicht welken sieht

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Blaupause des Sterbens

Das Schema Einsamkeit
Die Blaupause des Sterbens
Ihr Zeichner unberührt
Den Sinn nicht ganz getroffen

Der Pinsel ausgerutscht
Das Wasserglas in Scherben
Das bunte Wasser blüht
und rücklings liegt das Hoffen

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Dämmerung

Der Vorhang schläft im offnem Fensterrahmen
Zwei Schuhe kreuzen eine Bodenschwelle
Im Treppenhaus negieren sich zwei Damen
Am Himmel scheint die letzte Sollbruchstelle

Der Schrank entblößt im Holz zwei alte Narben
Der Wasserhahn bricht tropfend eine Welle
Die weiße Tür trägt Sprenkel fremder Farben
Am Himmel weint die letzte Sollbruchstelle

Der Boden stöhnt, die Wolken sind beklommen
Der letzte Grund, er hat stark abgenommen
Im Dielenschlund welkt eine Immortelle
Der Himmel eint die letzte Sollbruchstelle

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Verspätete Improvisationen

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Das Morgenlicht

Straßen sind wie immer Irgendwie
An den Wänden Grau greißt ein Darum
Sterne kaspern aus, müdes Gevieh
Wege werden spät und manchmal krumm

Zeitung jagt Gebüsch, ein kranker Mond
Morgen ist Erinnerung, fast greiß
Über allem, silberäugig, thront
Das Morgenlicht – bedrohlich, leise, weiss

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sonnensturmwärts

Es schläft in den Seelen: Das dunkle Vermächtnis
aus Kreolen und Träumen, dem Schmerz
in den Nächten aus Wind, das trübe Gedächtnis
der Welt, die dort sonnensturmwärts

noch träumt, wenn im Weltall schon Schnee fällt
Oder Asche, von toten Gestirnen verstreut
Deren Schrei durch den spätesten Schrei gellt
und dort schreit in den Herzen noch heut

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ein Mond

Im Wasser scheint, im Auge der Forelle,
ein Mond gefangen, wie in Seifenblasen.
und weicht nicht auf-, noch fort von jener Stelle,
nur die Phantasmen schlagen Metastasen

Da wird ein König schwer, weil er gebiert
und manchmal leuchten weiß ihm schwere Augen
und manches täuscht, was seine Ecken ziert,
und doch nur jene, die an Ecken glauben

Im Wasser scheint, im Schamgewand der Nacht,
ein Mond all jenen, die nicht friedlich schlafen
und manchen hat er um den Schlaf gebracht
weil ihn des Mondes Dunkellichter trafen

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Urbane Seele

Die Straßen singen verträumt
das Lied der Motoren
Die späte Laterne verglimmt.

Irgendwo treffen Ohren
auf sprachloses Blei
und Menschenschwadronen
ziehn Fasern vorbei

Die Gassen enden verzweigt
an den Architekturen
Die Schwelle verbleicht jedes Heim

Irgendwo träufeln Spuren
zum ewigen Wein
und Menschenschwadronen
verzweigen allein

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Wie einer in Jemandem verstummt

Eines Tages fehlt ein Tag
und du wirst mich verlassen
Und all die Schwüre die du schworst
verwelken und verblassen

Der volle Mond ertränkte einst
dein Auge im Entzücken
und bald, beim Gehn, bescheint er dir
als Sichel nur den Rücken

Und ich werd dann, als schräger Ton,
in deines Lebens Schwingen,
wie dieser launenhafte Mond
versinken und verklingen

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Intimes Stillleben IV: Schiffe gucken an der Holtenauer Hochbrücke, Intermezzo mit Blaulicht

Meier trug auf seinem Ausweis Bart
Sie stocherten danach im braunen Brei
Nichts davon hat Meier sich bewahrt
man legte eine handvoll Zähne frei

Meier war Einmeterachtundsiebzig
Sie maßen alles, was von Meier blieb
Dreimeterneun, sagt die KP´in piepsig
und blickte schief, als sie es niederschrieb

So passt nun Meiers Leben auf ein Brett:
Dreimeterneun, kein Bart und leicht zerissen
Trägt Darm nach aussen, wirkt ein wenig fett
Rufen Sie an, sollten sie ihn vermissen

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