Wie die Sonnblumen im Wind Sonntag, Feb 7 2010 

Wir ziehen zweisam unsre Reigen
und wir spürn den Sommerwind
sehn die Sonnenblumen neigen
als wenn sie sich einig sind

und ich frag, was du wohl sahst
von dem Moment an dem wir lieben
bis zur Zeit in der du fragst
wo wir angekommen sind

und wir nicken dann verschwiegen
wie die Sonnblumen im Wind

Wir zogen einsam unsre Reigen
und wir spürten Sommerwind
sahn die Sonnenblumen neigen
als wenn sie sich einig sind

das abermalsmal Samstag, Feb 6 2010 

als wir die liebe totgebaren
sprachen wir psalme
töpften wir lieder aus tönen
sangen wir sonden zum magen der herzen
die hebten das tote zum träumen

in abermals neigen besprichst du
die abermalsnacht, es leuchtet
das abermalsmal auf deinem gestirn

Tags keine Nutten Samstag, Jan 30 2010 

Im falschen Licht flaniert am Boulevard
das Nuttenvolk in amtsgebornen Trachten
im Straßendirnentakt, wie grundbizarr
ins Spotlightstraßenlicht versiffter Frachten

Frühmorgens wischt die Sonne sie hinfort
Die Nutten, Freier, schmutzbefallnen Luden
Sie tragen nun Chanel, und dieser Ort
ist Heimat der Touristenbummelbuden

Ihr Blick gleitet autistisch nun vorbei
an spermafeuchten Augen letzter Nächte
und sehn sie nicht. Im Tageseinerlei
blüht Bürgerlichkeitskraut über das Schlechte

Das Igellied Samstag, Jan 30 2010 

Von Klatsch bis zum Ufer des siffigen Ankh
erzählen sich Menschen den munteren Schwank
Was muntrer die Tiere der Scheibe getan
Der Igel ist in jedem Fall besser dran

Der Storch hat der Natter die Selbe gewürgt
Die Fliege dem Fröschrich Orgasmen getürkt
Die Fische versauen den Pelikan
Der Igel ist in jedem Fall besser dran

Der Bauer verführte im Sommer das Schaf
weshalb ihn des Bocks Huf am Hodensack traf
Drum fässt er jetzt nur noch Geflügel an
Der Igel ist in jedem Fall besser dran

Die Schnecken vollziehen sehr langsam den Akt
Derweil hat die Schnake schon zwölfmal geschnakt
Das Nilpferd verlässt schon beim Anlauf die Bahn
Der Igel ist in jedem Fall besser dran

Im Spitzhorngebirge da liebte sogar
ein Troll eine Zwergin und verfing sich im Haar
des Bartes der Holden und und haderte dann:
Der Igel ist in jedem Fall besser dran

das autistische Herz Sonntag, Jan 24 2010 

Ich will mich gern, von Zeit zu Zeit,
im spätem Himmel wiegen
und mich im rotem Himmelweit
an Schlafes Bruder schmiegen

und mir mein Herz, im Puls gezweigt,
im Zwietakt dreimal brechen
und mein geheimes Herz selbdrei
im müdem Himmel sprechen

und schöpfte ich mir Sprache draus,
was sollts Geheimes sagen
Es kehrn die Worte ein und aus
mit Antworten und Fragen

und schrie es “Pranger” oder “Blau”
und schrieb ich “Prangerbläue”
es blieb der Sinn zu ungenau
und hielt mir doch die Treue

Wie einer von der Muse angekackt wurde und leugnend durch die Sprache stolpert und kein Gefühl mehr für die vernünftige Länge eines Gedichttitels hat Samstag, Jan 23 2010 

Als du gingst, das war schon ziemlich blöde
warst irgendwie nicht hier und auch nicht nett
Ich fühl mich jetzt halt so nen bissl schnöde
und schlaf jetzt halt hier so in einem Bett

das ist nun kleiner, war ja vorher… groß
das war halt so für mehr als einen Menschen
ich trink hier halt son Bier und weiss zum Trost
du bist alleiner noch mit all den Schwänzen

und keiner war so…dufte wie halt ich
ob menschlich oder rein vom Genitalen
drum geb ich dir den Rat, behalte mich
Gedächtnistechnisch bei den ganz Genialen

und denk bloss nicht ich hätts durch dich verloren
ich hab dem… Sprachzeugs einfach abgeschworen
da kannst du, hübsches, äh Mäuschen gar nichts für
Du gingst halt, und ich blieb dann halt so hier

Spuren Dienstag, Jan 19 2010 

Und manchmal spüre ich nicht mehr,
dass deine Spur noch Sohlen zieht,
dass, sandverbürgt und kreuz wie quer,
das Du zu mir ins Mein geriet,

das dich nicht nennt und irgendwie
die Spur aus Sohlen sandig formt
und in sich alle Wege nie
auf alle Spuren wieder normt

Denn manchmal spüre ich wie leer
ich bin; und über alle Wege
steht im Sand noch kreuz und quer
das Du, das ich daneben lege

Gehäutet;Geläutert Samstag, Jan 16 2010 

Die Sonne brutzelt penetrant
um rotes Fleisch zu häuten
Im Glockenstuhl da bommelt dann
der Bommel Glockenläuten

Und Häutung, wie auch Bommelklang,
geschehn im selbem Wiegen
es läutet und es häutet wann
und wo Touristen liegen

auf Laken, Sand und Einerlei;
da fügt sich diese Fuge
aus Sommersonneneitelkeit
und kirchturmfrommer Grube

Es hallt aus Gottes Nadelöhr
das Rauschen ferner Palmen
dagegen, vom Touristenheer,
erklingen fromme Psalmen

Als der Wandel ein schönes Kind gebar Dienstag, Dez 29 2009 

Als Finsternisse meinen Geist umfingen
und ich erkannt, dass ich mir mehr entriss
als Leben in mir war, kam schwarz-durchdringend
der Schatten meiner tiefsten Finsternis

Die Grauen nahmen mir all meine Stärke
Und meines Lebens Stürme wurden lau
Ich war zu nah der wintermüden Birke
und viel zu nah dem tristem Himmelgrau

Da tanzte sie; in schmutzbefallenen Straßen
umspielte sie die Gischt des Straßenlichts.
In Wirbeln flogen Zeitungen und trafen
den nackten Leib der Wahnsinnigen nicht,

als wär sie nicht ein Teil dieser Straßen
und Gott wär nur ein Werkzeug ihrer Lust.
Dann kam sie auf mich zu, um mich zu strafen
und presste sich an meine müde Brust

und sprach, dass alle Sorgen nie verschwinden
und alles Leid im Herzen weiterlebt
Und wir uns an die Ewigkeit verschwenden
weil nichts besteht, was ewig seelig strebt

dann kamen ihre Lippen meinen nah
und in mir war ein Kampf der zweifelnd rief
bis ich die Antwort ihrer Augen sah
und sprach das Zauberwort im Konjunktiv:

Und könnt ich auch im Augenblick nur sagen,
verweile doch, mein Kind, du bist so schön
und könnt ich auch mein Leid durch dich vertagen
die Welt wär mir doch schrecklich unversöhnt

Und könnt ich doch im Augenblick ertragen,
dass alles Leid in dir, mein Kind vergeht.
Mir bliebe doch die Mahr aus tausend Fragen,
was mir in diesem Fluß aus Lust besteht

Leere Hände II Donnerstag, Dez 24 2009 

Ich spürte die Hände erkalten
Im Eis scheint das Ewig verschwommen
Mir ist, ausser Linien und Falten
die Sehnsucht des Frühling genommen

Jetzt steh ich im Wind und das Wanken
zerrt mir an den Träumen, die schwer
in tiefe Erinnerung sanken,
denn hier sind die Hände doch leer

Nächste Seite »